Ottis Forum

Lyrik, Prosa, Fotografie und Gedankengut.
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 Betreff des Beitrags: tagpartikel
BeitragVerfasst: Mi 15. Jun 2016, 21:05 
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Beiträge: 1139

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    ....................tagpartikel
    ....................
    ....................mit dieser abstellkammer
    ....................beginnen, sie in fuß vermessen
    ....................wie die vielen halben dinge.
    ....................ordner ohne haltebügel,
    ....................vereinsamte strümpfe,
    ....................die ausgeräumte brust,
    ....................den attackierten schädel,
    ....................holunderblütendolden
    ....................mit dem zirkel,
    ....................aufgefundene objekte,
    ....................faltbare manuskripte,
    ....................schiff oder flieger.
    ....................im dachfenster, maßlos,
    ....................der volle mond.


    ....................bess dreyer




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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Mi 15. Jun 2016, 21:53 
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das haut mich richtig um, so gut finde ich das, liebe bess. ich habe es jetzt nur zweimal gelesen und mir ein paar notizen gemacht, weil mein kopf schon zu rammdösig ist, aber morgen schreibe ich unbedingt noch etwas dazu smiley_102:

_________________
bye, bye, my I


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Mi 15. Jun 2016, 22:45 
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smiley_80:

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jedes nicht festgehaltene wort ist ein verlorenes wort - schreiben gegen die zeit, die noch bleibt ©mbpk


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Do 16. Jun 2016, 10:47 
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so ungeheuer viel ist in diesem gedicht - wo soll ich anfangen ...
allein die "abstellkammer" steht für so vieles, dort werden die dinge gelagert, die gerade nicht brauchbar sind, aber auch nicht weggeworfen werden. sie sollen aus den augen, bis auf weiteres zumindest, so daß man nicht ständig an sie denken muß und sie "aus dem weg" sind - denn der weg geht weiter und in eine richtung, in der man sie vorläufig nicht braucht; oder zu brauchen glaubt.

aber eines tages wird sie vielleicht zu voll, die abstellkammer, oder zu unordentlich, man blickt nicht mehr durch, man merkt, daß man sich um sie kümmern muß. "in fuß" soll sie zunächst einmal vermessen werden, um sie "zu fuß" begehbar zu machen. das bild von einem "zirkel" taucht auch auf, ein weiteres meßgerät auf seine art, um etwas einkreisen, umschreiben zu können. was soll vermessen werden? - all das "halbe" das sich aufgehäuft hat, das unvollkommene, das unvollendete, die halbheiten des lebens, auch das halbierte, die gewaltsamen eingriffe im weitesten sinne, denen ein leben ausgesetzt ist. und "faltbare manuskripte", dem wasser oder der luft überantwortet und jedenfalls einer anderen bestimmung zugeführt als der vielleicht beabsichtigten. aufgeräumt muß werden, alles muß seinen platz finden in der inneren abstellkammer.

und dies alles bei einem licht besehen, wie es dem vollen mond eigen ist - scharf. und kühl, aus einem weiten abstand heraus. das ist die aufgabe.


weißt du, bess, es ist immer ein ganz besonderes erlebnis für mich, wenn mich einmal ein gedicht so packt wie dieses hier, es macht mich richtig glücklich. nun finde ich nur das bild von der abstellkammer und dem, was dort vorgeht, so stark, daß es alles trägt, so daß für mich der titel durch seine abstraktheit ein wenig davon abfällt und ich ihn für mein teil gut missen könnte. das wäre das einzige, was ich mir anders besser vorstellen könnte.
aber sonst, du merkst es ja, bin ich tief berührt und hellauf begeistert und hoffe nur, daß ich deinem schönen gedicht wenigstens annähernd gerecht werden konnte smiley_52:


und da ich es gerade noch einmal lese, fällt mir noch mehr dazu ein, aber ich glaube, ich belasse es für diesmal dabei ... smiley_72:

_________________
bye, bye, my I


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Do 16. Jun 2016, 13:11 
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Liebe Eva,
danke für die intensive Beschäftigung! Finde mich gut darin wieder.
Die Titelzeile. Nun, sie ist mir wichtig. Wenn ich versuchsweise die "abstellkammer" an diese Stelle setze, stört mich die Wiederholung des Wortes. Auch seine pragmatische Ansiedlung in der Sprache.
Vielleicht ändert sich der Titel eines Tages noch einmal, das Gedicht stand zunächst ohne Titel. Dann fiel mir eine gute Titelzeile ein, kurz vorm Schlafen. Der Schlaf hat sie dann nicht wieder herausgerückt. smiley_32: So bin ich nach einer Reihe Entwürfe auf die tagpartikel gekommen. Sie fassen für mich das zusammen, was mir vorschwebte.
Danke noch mal, die parallele


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Do 16. Jun 2016, 16:48 
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smiley_59:

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 Betreff des Beitrags: farbe in den aschetag
BeitragVerfasst: Fr 15. Jul 2016, 21:21 
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Beiträge: 1139

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    ....................etwas besonderes

    ....................ich wär gern mondsüchtig
    ....................klaustrophobie wär auch recht
    ....................oder zahlengenie
    ....................wasser in wein wandler
    ....................seiltänzer trapezakrobat
    ....................weltbezähmer

    ....................kopfrechnen beherrsche ich
    ....................spinnen bin ich zugeneigt
    ....................und überhaupt eine komische
    ....................alte die auf einem bein
    ....................im hüpfkästchen den himmel
    ....................erreicht und den stein
    ....................weiterschiebt übers pflaster


    ....................bess dreyer
    ....................15.07.16

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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Sa 16. Jul 2016, 06:33 
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all dies ist wahrlich besonders genug - und ein gedicht darüber zu schreiben erst recht smiley_102:

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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: So 17. Jul 2016, 09:47 
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smiley_38:

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Der Kopf denkt weiter als man denkt.


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: So 17. Jul 2016, 12:11 
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Beiträge: 150

Bin auch sehr beeindruckt von deinen Gedichten und kann mich Evas Kommentaren nur anschließen. smiley_38: Lerne in diesem Forum neue Gedichte kennen und setze mich damit auseinander, erfahre jetzt die Komprimiertheit dessen, was alles in einem Gedicht verpackt ist und deshalb so intensiv wirken kann. S.Plath hat einmal darüber geschrieben, weshalb sie lieber Gedichte schreibt aber auch wie schwer es ist die richtigen Worte zu finden, die inhaltlich formal und vom Klang stimmen. Bei der Prosa kann man es ja viel mehr umschreiben. Auf jedes Wort achten, als hätte es ein Eigenleben. Ich habe geschrieben, was alles in einem Gedicht verpackt ist. Verpacken, dazu fällt mir verschnüren festzurren ein, dh. auch nicht sofort zugänglich, sondern man muss sich langsam dem Gedicht (den darin enthaltenen Bildern) nähern, um zu verstehen und vielleicht Erfahrungen finden, die man auch gemacht hat. Dadurch wird es auch lebendig, finde ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: So 17. Jul 2016, 17:39 
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und himmel und hölle haben ihre eigene unspektakuläre wahrheit.

_________________
bye, bye, my I


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: So 17. Jul 2016, 18:19 
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Beiträge: 1139

Danke, ihr Lieben, für eure intensive Beschäftigung mit dem Gedicht und mit dem "Format" des Gedichtes überhaupt.
Beate, ich bin auch manchmal erstaunt darüber, was Leser mir über ihren Zugang mitteilen. Bilder, Bedeutungen, an die ich, wie ich im ersten Moment meine, beim Schreiben nicht gedacht habe. Aber man schreibt ja nicht 1:1 und außer den Wörtern sind Stimmungen, Schwingungen, Verstecktes und Entferntes "verpackt". Jeder öffne das Verpackte auf seine Weise.
Danke noch mal!


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Mi 20. Jul 2016, 07:24 
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Beiträge: 4656
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manchmal ergibt das eine das andere - ganz wundervoll smiley_102: smiley_52:


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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: So 16. Okt 2016, 22:27 
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Registriert: Do 20. Aug 2015, 21:02
Beiträge: 1139

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    ....................oktober

    ....................das sind die letzten zwetschen,
    ....................sagt die marktfrau und überreicht
    ....................die schwere tüte. eine aus braunem
    ....................papier, wie es sie schon
    ....................in der kindheit gab.

    ....................welch beruhigender gedanke:
    ....................es gibt eine zwetschenpause,
    ....................aber danach kommen sie wieder.
    ....................anders bei den letzten jahren,
    ....................den letzten tagen, die sich ankündigen.

    ....................abgelebt hängen sie bald im baum,
    ....................faulig, wespenbenagt. nachts,
    ....................wenn es still wird, hörst du
    ....................das seufzen der stunden,
    ....................die schmerzen haben.


    ....................bess dreyer



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 Betreff des Beitrags: Re: aus dem alltag
BeitragVerfasst: Di 18. Okt 2016, 12:29 
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Beiträge: 4656
Wohnort: Olbernhau

oktobersituationen .
manchmal sind es die letzten, manchmal gibt es keine, manchmal braucht man sie nicht...

berührend smiley_52:


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