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 Betreff des Beitrags: Ondaatje
BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2018, 11:01 
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"Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren."
So der Einstiegssatz des Romans.

Zum Inhalt mag ich nichts schreiben. Aber die "Schreibe" ... distanziert auf der einen Seite, so dass kein Seelenschmerz oder Kitsch oder Entsetzen aufkommt beim Leser. Spannende Erzählweise. Obwohl es keinen Plotverlauf im eigentlichen Sinne gibt, nicht Verknotung, nicht Lösung, war ich getrieben, die Entwicklung dieses Jungen weiter zu verfolgen. Das Buch nahezu zu verschlingen. Habe auch eine Menge gelernt, von dem ich in Details noch nie gehört hatte. England im 2. Weltkrieg, die Spionagetätigkeit.

Michael Ondaatje: Kriegslicht

Amazon schreibt in der Inhaltszusammenfassung:
Nach Kriegsende wird der vierzehnjährige Nathaniel mit seiner Schwester Rachel von den Eltern in London zurückgelassen. Der geheimnisvolle „Falter“, der sie in Obhut genommen hat, und dessen exzentrische Freunde kümmern sich fürsorglich um sie. Wer aber sind diese Menschen wirklich? Und was hat es zu bedeuten, dass die Mutter nach langem Schweigen aus dem Nichts wieder zurückkehrt? „Meine Sünden sind vielfältig“, wiederholt sie, mehr gibt sie nicht preis. Als er erwachsen ist, beginnt Nathaniel die geheime Vergangenheit seiner Mutter als Spionin im Kalten Krieg aufzuspüren. Fünfundzwanzig Jahre nach dem „Englischen Patienten“ hat Michael Ondaatje ein neues Meisterwerk geschrieben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ondaatje
BeitragVerfasst: Di 27. Nov 2018, 12:26 
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Mit dem Englischen Patienten bin ich seinerzeit nicht so gut zurechtgekommen, also nehme ich mal einen neuen Anlauf. Auf Englisch hat es meine Bibliothek schon, aber da gibt es eine Warteschlange, ich muß mich also etwas gedulden. Danke für den Tipp!

_________________
bye, bye, my I


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 Betreff des Beitrags: Re: Ondaatje
BeitragVerfasst: Mi 28. Nov 2018, 00:11 
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Beiträge: 1354

Gern! Ich hoffe, du wirst es auch gern lesen und Freude am Schreibstil und Stil und den (mir) unbekannten Vorkommnissen dieser Zeit haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ondaatje
BeitragVerfasst: Fr 18. Jan 2019, 21:45 
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Registriert: Sa 11. Jun 2005, 17:20
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Das ungewisse Licht von Krieg und Nachkrieg wirft vielleicht immer ein besonderes Schlaglicht auf etwas, das weitgehend für menschliches Bewußtsein auch in "normalen" Zeiten gilt - die Ungewissheit von Erinnerung und Wahrnehmung, von echt und falsch, von Schein und Wirklichkeit. Krieg und Nachkriegszeit sind allerdings eine Zeit der ins Fließen geratenen Übergänge zwischen legal und illegal. Begriffe wie Zwielicht und Halbwelt kommen hier ins Spiel, ins Spielen, und schaffen spannende neue Freiheiten und Erlebnisräume, die Ondaatje sehr einprägsam schildert. Bedingt durch die alles durchdringennde Unsicherheit seiner Jugend in der Zeit unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sucht der älter gewordene Protagonist des Romans später nach Spuren und Anhaltspunkten für sein Bild von der Erfahrung dieser Zeit, aber es bleibt weitgehend bei jenem Zwielicht, in dem sich alle seine Erinnerungen bewegen, und die Aufgabe für einen Autor kann dann eigentlich nur sein, eine Form für dieses ungewisse Licht zu finden. Ondaatjes Werk befindet sich für mich in direkter Linie jener Einsichten über die Art, wie menschliches Bewußtsein wirklich arbeitet, die zum Beispiel Virginia Woolf versucht hat umzusetzen. Es gehört immer noch zu dem langen Abschied von den Gewißheiten des europäischen bürgerlichen Romans, das ist mein Eindruck. Es ist nicht leicht, auf diese Weise spannend zu erzählen, aber im Großen und Ganzen habe ich das Buch gern und mit Gewinn gelesen.

_________________
bye, bye, my I


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 Betreff des Beitrags: Re: Ondaatje
BeitragVerfasst: Sa 19. Jan 2019, 22:28 
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Registriert: Do 20. Aug 2015, 21:02
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Das hast du sehr gut ausgedrückt, die Überlegungen zum Thema Wirklichkeit - Gedächtnis - Aufsuchen der erinnerten Orte -.
Danke, Eva.


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